Rauchpause.

Im Dunst der Worte.

Anerkennung

Eingestellt am Sonntag 24 September 2006

Nachdem mir letzte Woche schon vom lieben Karl-Heinz ein Oskar verliehen wurde, bekam ich nun heute auch noch die höchste Anerkennung, die man auf im Großraum des unterfränkischen Hinterlandes bekommen kann. Ein Nachbar (und so wird in Ortschaften mit einer dreistelligen Einwohnerzahl ganz großzügig einfach jeder mit der gleichen Postleitzahl bezeichnet) sagte zu einem anderen Nachbarn “Des is fei a feins Ding.” Jaha, und damit meinte er mich. Mit stolzgeschwellter Brust will ich euch nun erstmal erklären, was das überhaupt heißt. Wortwörtlich ins Hochdeutsche übersetzt: “Das ist ein feines Ding.” Nun noch etwas weiter, freier und verständlicher übersetzt: “Das ist ein angenehmes Wesen.” Was für einen Metropoliten jetzt vielleicht so klingt, als wüsste mein Nachbar lediglich, dass ich noch Niemanden umgebracht habe, bedeutet für einen mit Emotionen sparsam umgehenden Franken viiiel mehr. Es soll heißen, dass man mit mir umgehen und sprechen kann, was für einen Franken bekanntermaßen grundsetzlich schon eine Herausforderung darstellt. Ja, ich habe mich erfolgreich integriert. Und das obwohl ich immer noch nicht täglich mit Birkenstock und Trägershirt samt Achselbehaarung den gutgehenden (weil einzigen) Lebensmittelladen in der Dorfmitte besuche, um zu tratschen mich auszutauschen. Ich wurde also in der Dorfgemeinschaft aufgenommen und kann positiv der Zukunft entgegenblicken - wenn, ja wenn ich auch brav jeden Samstag den Gehweg kehre.

11 Kommentare für 'Anerkennung'

  1.  
    25. September 2006 | 09:28
     

    Da sieht man mal wieder, dass auch die vermeintlichen Kleinigkeiten einem große Freude bringen können! Und was das Trägershirt mit Achselbehaarung angeht; wahrscheinlich kommst deshalb so gut dort an - die kennen’s einfach nicht anders und wollen jetzt auch mal was schönes sehen ;o)

  2.  
    25. September 2006 | 13:17
     

    Bäh da komm ich grad vom Mittag und muss mir bildlich nen Trägershirt mit wallender Achselbehaarung vorstellen.
    Das wird es sein, aufm Land wirst Du als elegante Dame bestimmt mehr aufsehen erregen als die Bauernmutti, die 10 Eier kauft ;)
    Gruß Malte
    PS: Ich dachte die Kehrwoche und damit Samstags 6:00Uhr MEZ strassenkehren ist die Bastion der Schwaben? Wenn die Franken schon anschauen müssen, warum denn nicht was sinnvolles ;) ?

  3.  
    25. September 2006 | 13:17
     

    ähm ich meine “abschauen”

  4.  
    Tom
    25. September 2006 | 22:21
     

    Na da haste doch einen tollen Anfang :-D
    Hört sich an wie so ne Art Desperatet Housewives*g
    Vergesse bloß net auch jeden Sonntag in die Kirche zu gehen! Und um 7 Schon die Rolläden hoch zu machen, sonst darfste Dich im Tante Emma Laden net mehr blicken lassen :-)

  5.  
    26. September 2006 | 08:32
     

    Das klingt ja nach einer steilen Karriere auf dem Land. Schon nach so kurzer Zeit die erste Integrationsbarriere genommen, da ist doch der Weg zur Bürgermeisterin praktisch schon frei, oder?
    Kathrin for president!

  6.  
    chk
    26. September 2006 | 10:02
     

    Zwei Daumen hoch Kathrin
    Jedoch geb ich dir nen Tipp, komm ja selbst aus nem “Dorf” und wage es bloß nicht irgendwelchen alten Leuten von etwas zu überzeugen, habs bei meiner Nachbarin versucht und jetzt hasst sie mich aber man kann ja damit umgehen, also is nur n gut gemeinter Tip. Doch ich glaube, NEIN ich weiß das du das schaffst und ich geb Karl-Heinz (schon wieder)recht:
    KATHRIN 4 PRESIDENT

  7.  
    27. September 2006 | 22:15
     

    “Ich wurde also in der DORFGEMEINSCHAFT aufgenommen”. Das klingt so, als ob man da irgendwelche unchristlichen Rituale über sich ergehen lassen muss. Ich hoffe doch, dass dem nicht so ist. Hühnerblut kriegt man auch ganz schlecht aus dem Teppich.

  8.  
    27. September 2006 | 22:47
     

    @ Jürgen: Von der Seite hab ichs ja noch gar nicht gesehen. Freunde trotz (oder aufgrund) fehlender Achselbehaarung. Yippiee…
    @ Malte: Ne, ne, wir müssen hier auch jeden Samstag den Gehsteig fegen. Der muss danach wie geleckt sein, sonst brauchste dich bei den Nachbarn nicht blicken lassen.
    @ Tom: Gibts automatische 7-Uhr-Rolläden-hochzieh-Geräte? Das ist doch mal ne Marktlücke.
    @ Karl-Heinz + chk: Ich glaub ja, dass man hier noch gar nicht als Frau Bürgermeisterin werden darf. Ich bin fast froh, dass ich ein Wahlrecht hab.
    @ Dübel: Deshalb entschied ich mich in weiser Voraussicht für nen Holzfußboden. :-)

  9.  
    28. September 2006 | 00:02
     

    In Europa war die Schweiz 1971 das letzte Land, welches das Wahlrecht für Frauen einführte. Vermutlich ist es aber wie bei Asterix und Obelix: Ganz Europa? Nein …

  10.  
    14. Dezember 2006 | 00:09
     

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